Die Pokot und die Samburo

Als Fotografin, die in Kenia Frauen interviewt und besucht hat, um das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) zu beleuchten, liegt mir sehr viel daran, auf diese schreckliche, frauenverachtende Praxis aufmerksam zu machen.

Die FGM stellt eine ernsthafte Menschenrechtsverletzung dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit mehr als 230 Millionen Frauen und Mädchen, die heute leben, FGM unterzogen wurden. Jährlich sind schätzungsweise rund drei Millionen Mädchen einem Risiko ausgesetzt, FGM zu unterlaufen, hauptsächlich in bestimmten Teilen Afrikas, im Nahen Osten und in einigen asiatischen Ländern.

FGM ist eine rituelle Praxis, bei der die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt werden. Dies geschieht aus kulturellen, sozialen oder religiösen Gründen. Die Folgen reichen von akuten Schmerzen und Infektionen bis zu lebenslangen Komplikationen, sowohl physischer als auch psychischer Natur. Jährlich und pro Tag werden unzählige Mädchen dieser qualvollen Prozedur unterzogen.

In Kenia, insbesondere in den Regionen Pokot/Westpokot und Samburo, ist diese Praxis besonders verbreitet und hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Mädchen und Frauen. In diesen Regionen sind Mädchen oft schon in jungen Jahren von FGM betroffen und werden frühzeitig verheiratet. Die Tradition betrachtet Mädchen als Eigentum und zwingt sie oft gegen ihren Willen in Ehen. Junge Mädchen müssen eine übermäßige Anzahl von Geburten ertragen und Frauen haben häufig keine Kontrolle über ihre reproduktiven Rechte. Zusätzlich sind Frauen in diesen Gemeinschaften sehr oft der männlichen Gewalt ausgesetzt. Frauen werden als handelbare Güter betrachtet, ihre “Bewertung” erfolgt in Kühen oder Schafen. Töchter werden verkauft, was ihre Verletzlichkeit weiter verstärkt. Die Praxis von FGM führt zu lebenslangen, extremen physischen und psychischen Schmerzen, insbesondere während dem häufig erzwungenen Sexualverkehr und den Geburten.

Es ist entscheidend, das Bewusstsein für diese schädliche Praxis zu schärfen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Betroffenen zu schützen. Die Zusammenarbeit mit den Gemeinschaften vor Ort ist unerlässlich, um diese tief verwurzelten, gewaltvollen Traditionen zu verändern.

Messer für die weibliche Genitalverstümmelung, West Pokot, 2023
Begrüßungstanz, West Pokot, 2023
Choposanik (21 Jahre) mit ihren 5 Kindern, West Pokot, 2023
Longoriande mit der ersten und zweiten Frau, West Pokot, 2023
Christine im Umoja Frauendorf, Kenia, 2023
Sarah, West Pokot, 2023
Frauengruppe, West Pokot, 2023
Rosematai, West Pokot, 2023
Irene im Umoja Frauendorf, Kenia, 2023
Nosurai im Umoja Frauendorf, Kenia, 2023
Esta, West Pokot, 2023
Choposanik und Longoriande, West Pokot, 2023
Familie von Chemanang, West Pokot, 2023
Chemanang, West Pokot, 2023
Roda, West Pokot, 2023
Chepo KsangYotar, West Pokot, 2023
Sophie vor ihrem Haus, West Pokot, 2023
Helen, West Pokot, 2023
Drei Generationen, West Pokot, 2023
Antonella im Umoja Frauendorf, Kenia, 2023
Rostiges Messer für die Genitalverstümmelung, Kenia, 2023