Siehe Standort
Teilen

Selbst Portraits

 

Rollenbilder rund ums eigene Ich

Mystisch, kokett, traumversunken und von einer unbekümmerten Gestaltungslust getrie­bene Selbstinszenierungen – zur Jahrtausendwende, als noch analog ohne Nach­bear­beitung fotografiert wurde und niemand die Selfie-Kultur heutiger Tage voraussah. Fremd in New York zu sein und keinen geregeltenTagesablauf zu haben, hat mich dazu inspiriert, mich intensiver mit mir selbst zu beschäftigen, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen und ebenso unbe­kümmert wie frei mit der Formensprache von Bildender Kunst, Werbung und Religion zu spielen.

 

„Unscharfe Konturen und diffuse Lichtregien tauchen das Foto-Arrangement in eine ästhetische Farb- und Motivkomposition, in der Realität und Phantasie ineinander verschmolzen sind.

Sabine Schaschl

 

Mitten in New York zur Jahrtausendwende – ich war fremd, kannte kaum jemanden in der Sehnsuchtsmetropole und hatte neben meinen Assistenz-Jobs und Workshops gefühlt sehr viel Zeit übrig. Neben dem trubeligen Leben draussen wollte ich die Welt in mir entdecken – in einer Introspektion meine vielen Facetten zur Schau stellen und herausfinden wie es sich anfühlt in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen und zu experimentieren. In meinem  Appartment richtete ich dafür aufwändige Sets ein – es war die Zeit der analogen Fotografie, sodaß ich darauf achten musste, mich geschickt hin- und her bewegen zu können, denn auch Fernbedienung hatte ich keine. Schließlich war ich Regisseurin und Schauspielerin in Personalunion, die sich hier inszenierte. Ich wollte das Ernsthafte und Re­präsentative bewußt brechen, das Selbstportraits im historischen Kontext anhaftete. Vom heutigen Instagram-Zeitalter mit seinen omnipräsenten Selfie-Inszenierungen aus betrach­tet, erscheint meine Herangehensweise beinahe anachronistisch und ­– ohne jegliche Nachbearbeitung – wie aus einer anderen Welt.

Stark geschminkt spielte ich mit Puppen, Blumen, Figuren, Elementen der weiblichen Garderobe und meinem Körper in diesen Arbeiten. Als Vamp, Braut oder Madonna mit Kind   kokettierte ich mit der Kamera und mir selbst. Den Blick der BetrachterInnen hatte ich dabei nicht so sehr im Fokus obwohl ich meist sehr direkt aus den Bildern blicke. Es war, als würde mir der geschützte Raum meines Wohnateliers in der Fremde eine ganz besondere Anonymität gewähren – eine Spielwiese zum prozesshaften und lustvollen Experimentieren. Es war immer ein ganzer Film mit 36 Aufnahmen, den ich schoß und tags darauf zum Entwicklen brachte. Die technisch bedingte Distanz zwischen Aufnahme und dem Sichtbarwerden des Ergebnisses bestimmte meinen Arbeitsprozess ebenso, wie das Moment des Ungewissen. Nach meinem einjährigen Aufenthalt in New York führte ich die Serie der Selbstportraits in Wien noch weiter – bis ich selbst schwanger war und das Bildmotiv der Mutter mit Kind plötzlich einen völlig neuen Realitätsbezug bekam.

maria haas - Projekte - Selbst Portraits